Gesichtspunkte zur biologisch-dynamischen Züchtungsforschung

Der erste wesentliche Gesichtspunkt, der dem biologisch-dynamischen Landbau und somit auch der Züchtungsarbeit zu Grunde liegt, ist der ’Organismusgedanke’. Nach Steiner (1924) erfüllt eine Landwirtschaft ihr Wesen, wenn sie als “eine wirklich in sich geschlossene Individualität“ aufgefasst wird. Es wird daher angestrebt, dass die Mittel für die Produktion der Landwirtschaft aus den lebendigen Verhältnissen desselben Standortes stammen, in denen sie angewendet werden und von ihnen geprägt und belebt sind. Dadurch wirken sie nicht als Fremdkörper, die erst belebt werden müssen und dabei gewissermaßen Lebenskräfte beanspruchen, sondern sie verbleiben innerhalb des Organismus, aus dem sie stammen, wie es physiologisch normal ist. Demnach stehen alle einzelnen Glieder des Organismus in wechselseitigen Verhältnissen und bedingen sich gegenseitig. Idealer Weise sollte das Saatgut - als eines der Glieder dieses landwirtschaftlichen Organismus - im eigenen Betrieb erzeugt werden.

Der zweite wesentliche Gesichtspunkt für die Saatgut- und Züchtungsarbeit besteht in der Qualitätsfrage, insbesondere hinsichtlich der Ernährung. Steiner war es wichtig, dass die Nahrungsmittel nicht nur der Ernährung des Leibes, sondern insbesondere auch dem seelischen und geistigen Wohl des Menschen dienen.

Ein ebenso wichtiges Anliegen der biodynamischen Pflanzenzüchter ist die Erhaltung und Mehrung der Sortenvielfalt. Mensch und Kulturpflanze haben seit 10.000 Jahren eine gemeinsame Evolution. Die Existenz der Kulturpflanze ist dabei an die menschliche, pflegerische Tätigkeit genau so gebunden, wie die Höherentwicklung des Menschen an die Kulturpflanzen. Diese sind kulturelles Erbe, welches von Generation zu Generation weitergegeben wird und daher unveräußerliches Kulturgut. Die Gesellschaft hat daher die Aufgabe, dieses kulturelle Erbe zu bewahren, in seiner Vielfalt zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Ein weiteres wesentliches Ziel biodynamischer Pflanzenzüchtung besteht in einer standortangepassten Züchtung, womit regionale Vielfalt gefördert werden soll. Das Ideal dieser Pflanzenzüchtung wird darin gesehen, unter den Bedingungen biodynamisch bewirtschafteter Betriebe zunächst eine Vielfalt von Pflanzen zu erzeugen, aus denen über eine stete Selektion Sorten entwickelt werden, welche über die erwünschten Eigenschaften verfügen.