Wir brauchen eine neue Spiritualität, die den Rhythmus kennt und akzeptiert. Wir können uns selbst unterbrechen in dem, was wir geläufig tun, um diesen Rhythmus des Lebens wahrzunehmen und uns in ihn einzustimmen. Er ist vor uns und nach uns da.”
Dorothee Sölle „Den Rhythmus des Lebens spüren” (Herder 2001)

Rhythmus ersetzt Kraft

Fruchtfolge als Rhythmusorgan: 12-feldrige Folge des Dottenfelderhofes

Leben ist ein Prozess in der Zeit, gegliedert durch Rhythmen. Wie geht man darauf in der landwirtschaftlichen Betriebsführung ein? Seit ihrer Entstehung ist die Landwirtschaft wie kein anderes Arbeits- und Lebensgebiet an die Beachtung der Naturrhythmen gebunden. In neuerer Zeit ist diese Verflechtung wegen der Industrialisierung und Mechanisierung des Land- und Gartenbaus jedoch weit weniger eng. Dennoch gibt es auf den Höfen nach wie vor ein Mindestmaß von rhythmisch sich wiederholenden zeitlichen Gliederungsabläufen, die beachtet werden müssen bzw. sollten. Neben diesem biologischen Geschehen gewinnen auch andere chronobiologische Gebiete in der Landwirtschaft an Bedeutung, z. B. die Chronosoziologie.

Die Pflege der Rhythmen als ,Motor’ aller lebendigen Erscheinungen scheint heute am weitesten verwirklicht im Biologisch-Dynamischen Landbau. Dabei werden chronobiologische Gesichtspunkte wie eine Art Betriebsmittel eingesetzt. Vor allem die Gestaltung der Fruchtfolge, die Herstellung und Anwendung der Biologisch-Dynamischen Präparate, die Beachtung von Saat- und Erntezeiten sowie Nützlings- und Schädlingsrhythmen, aber auch rhythmologische Aspekte zur Haltung und Pflege der Tiere gehören dazu. „Rhythmus ersetzt Kraft” – diese Redewendung weist darauf hin, dass Rhythmus ein Ordnungsprinzip darstellt, dessen Ergebnis in einer Ökonomie des Kraftaufwandes besteht. Diese Wirksamkeit zeigt sich auch in der Koordination und Synchronisation aller Lebensvorgänge. Bei Pflanzen tritt dies z. B. im Phänomen des Ausgleichs bei Entwicklung und Wachstum der Pflanzen, der Kompensation in Erscheinung – man denke nur an die Ertragsbildung bei Getreide. „Rhythmus trägt Leben“, es gibt keinen gesunden Lebensvorgang, der nicht rhythmisch verläuft. [mehr]