Bericht Hafer 2011
Das Haferjahr 2011 kann - auf die Kernaussage gebracht – wie folgt charakterisiert werden: Es gab viele Fortschritte trotz schwieriger Bedingungen. So hatte der Sommerhafer in 2011 teilweise sehr stark unter der langen Trockenheit im Frühjahr und Drahtwurmbefall (Abb. 1) zu leiden. Besonders katastrophal hat sich dieser im Anbau der F1-Generation ausgewirkt. Die bereits ausgepflanzten Kreuzungen mussten sogar wieder ausgegraben werden.
Neu in der Haferzüchtung ist, dass 2011 erstmalig zehn Winterhaferkreuzungen angelegt wurden. Außerdem konnte durch eine Kooperation mit den Getreidezüchterkollegen von Saatzucht Edelhof aus Österreich ein weiterer Standort für die Leistungsprüfung der eigenen Zuchtstämme gewonnen werden.
Beim Winterhafer gehen die Meinungen auseinander. Für die Einen stellt die geringe Winterfestigkeit ein unkalkulierbares Risiko dar, für die Anderen sind die langfristigen Ertrags- und Qualitätsvorteile bei wintermilden und gut wasserführenden Standorten höher zu bewerten als das Ausfallrisiko. Auf dem Dottenfelderhof stand der Winterhafer (Abb. 2) optisch wesentlich besser als der Sommerhafer, wobei sich im Nachhinein dieser Unterschied jedoch weder im Ertrag, noch im Hektolitergewicht, einer der wichtigsten Qualitätseigenschaften des Hafers, bemerkbar gemacht hat. In den nächsten Jahren sollen weitere Kreuzungen angelegt und Kontakte zu anderen Winterhaferzüchtern gesucht werden. So wurde für die Herbstaussaat 2011 an der 'uniform-oat-winter-hardiness-nursery' teilgenommen, bei der vorwiegend amerikanische Winterhaferzüchter ihre Zuchtstämme austauschen und auf Winterhärte prüfen.
Bei der Flugbrandprüfung wurde für die Inokulation erstmals standardmäßig mit einer vergleichsweise hohen Sporenkonzentration von 5 g Flugbrandsporen pro Liter Wasser gearbeitet. Beim Sommerhafer erreichten anfällige Sorten einen Befall bis zu 90 %. Dies ist auf der einen Seite erfreulich, da anfällige und resistente Linien sicher selektiert werden können. Auf der anderen Seite ist das allgemeine Befallsniveau nun so hoch, dass die Selektionsbasis zu stark eingeschränkt würde, wollte man nur völlig befallsfreie Linien selektieren. Deshalb wurde in 2011 ein Befall bis zu 10 % toleriert. Auch der bisher immer befallsfreie Zuchtstamm 'Flico' hatte einen Befall von etwa 3 %. Beim Winterhafer trat nur unwesentlicher Befall auf (maximal 2,6 %). Dieses Ergebnis müsste sich allerdings noch in mindestens zwei weiteren Prüfjahren bestätigen.
Eine Sortenanmeldung von 'Flico' kommt teilweise aufgrund der Ertragsergebnisse aber auch aufgrund zu niedriger Kornqualität leider nicht infrage. Immerhin kann das erzeugte Saatgut - bis ein besserer Zuchtstamm zur Verfügung steht - für den hofeigenen Haferanbau verwendet werden, um die starke Flugbrandproblematik auf den Haferflächen des Dottenfelderhofs in den Griff zu bekommen. Die fortgeschrittensten Zuchtstämme aus Kreuzungen, die auf dem Dottenfelderhof angelegt wurden, standen 2011 in der F6-Generation und werden 2012, soweit möglich, einer ersten Leistungsprüfung unterzogen.



