Flugbrand des Weizens und der Gerste

Vorkommen und Schadbild

Der Flugbrand des Weizens (Ustilago tritici) und der Gerste (Ustilago nuda) tritt weltweit auf.
Anstelle der Ährchen werden nach dem Ährenschieben dunkelbraune bis schwarze, anfangs noch mit einem silbrigweißen Häutchen überzogene Sporenlager sichtbar, die zur Zeit der Getreideblüte ausstäuben. Die überwiegend komplett erkrankten Ähren werden in der Regel etwas früher geschoben.
Zur Zeit der Ernte ragen befallene Pflanzen mit den dann leeren Samenanlagen aufrecht aus dem Bestand heraus.

Bedeutung

Wirtschaftliche Schäden durch Befall mit Weizen- oder Gerstenflugbrand werden insbesondere durch Aberkennung von Vermehrungsbeständen verursacht. In Vermehrungsbest änden für Basis- bzw. Z-Saatgut führen mehr als drei bzw. fünf befallene Pflanzen je 150 m2 zur Aberkennung.

Befallsausbreitung

Der Flugbrand des Weizens und der Gerste ist eine rein saatgutübertragbare Krankheit. Im Bestand keimen die angewehten oder durch Regen verbreiteten Brandsporen in der geöffneten Blüte und bilden ein Myzel, das wiederum den
Embryo infiziert. Der Pilz im Innern des Korns überdauert als Ruhemyzel und wächst bei Keimung des Saatkorns direkt hinter dem Vegetationspunkt her. Parallel mit der Ährenentwicklung bilden sich stark verdickte Pilzhyphen, die
sich zur Zeit der Blüte zu Flugbrandsporen entwickeln. Befallsfördernd wirken sich hohe Bodentemperaturen zur Zeit der Samenkeimung aus. Die Erreger sind wirtsspezifisch, das heißt eine wechselseitige Übertragung von Gerste auf Weizen bzw. umgekehrt ist nicht möglich.

Regulierung durch vorbeugende Maßnahmen

  • Verwendung von befallsfreiem Saatgut (anerkanntes Z-Saatgut, bei Nachbau auf gesunde Bestände achten bzw. Saatgutuntersuchung und ggf. Beizung mit zulässigen Verfahren)
  • Späte Saat im Herbst bzw. zeitige Saat im Frühjahr wirken befallsvermindernd
  • Sortenunterschiede in der Anfälligkeit sind zu berücksichtigen Regulierung durch Saatgutbehandlungsmaßnahmen
  • Wirksam sind insbesondere physikalische Maßnahmen wie die Heiß- und die Warmwasserbeizung (beide mit Einschränkungen)
  • Ethanol (70 %) erwies sich in ersten Versuchen als erfolgversprechend

Anfälligkeit von Weizen- und Gerstensorten für Flugbrand

Aufgrund der aufwändigen und nicht vollständig wirksamen physikalischen Maßnahmen der Saatgutbehandlung kommt dem Einsatz widerstandsfähiger Sorten im Ökologischen Landbau besondere Bedeutung zu.

[Quelle: Wilbois K.-P., Vogt-Kaute W., Spieß, H., Jahn M., Koch E. 2007: Leitfaden - Saatgutgesundheit im Ökologischen Landbau – Ackerkulturen. FiBl, Galvanistr. 28, 60486 Frankfurt]