Unsere Pionierin Ebba Bauer - eine Laudatio

Unserer Pionierin Ebba Bauer wurde am 26.Oktober die Goldene Ehrenplakette des Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für ihre besonderen Verdienste für die ökologische Landwirtschaft verliehen.

 

„Die Ebba!“

Hört man es überall, wenn von ihr die Rede ist – denn Ebba Bauer ist und bleibt allen im Gedächtnis als engagierte originelle Streiterin/Pionierin für die biologisch- dynamische Landwirtschaft, die damit verbundenen Handwerke der Lebensmittelverarbeitung, der Menschen- und Gemeinschaftsbildung und des Ermöglichens, besonders von jugendlichen Initiativen.

Dabei hatte sie keinen einfachen Start in dieses Leben 1940 in den Anfang der Kriegszeit geboren, ist ihre Kindheit tief geprägt von den Wirren und Härten des Krieges, von Hunger und Familiennöten. Das Gemeinschaftsleben in einem evangelischen Mädcheninternat hat sie stark geprägt.

Die Gärtnerlehre nach dem Abitur erweiterte sie von 1962 – 1965 durch den Besuch der Ingenieurschule für Gartenbau,, den sie als Gartenbauingenieurin in der Fachrichtung Gemüsebau abschloss.

Ihren späteren Mitstreiter*innen begegnete sie am Institut für biologisch-dynamische Forschung in Darmstadt – dort arbeitete sie als Assistentin in einem Forschungsvorhaben mit.

1966 heiratete sie Hans Dietrich Bauer. Aus dieser Ehe gingen in den Jahren 1969 bis 1977 sechs Kinder hervor. Eine Tochter verstarb jung. Auf die fünf Söhne mit ihren Familien ist sie sehr stolz.

Als Jüngste der neun Gründer*innen des Hofes stieg sie 1968 in den landwirtschaftlichen Betrieb Dottenfelderhof ein. Dort hat sie trotz der kinderreichen Familie und dem stets mit Lehrlingen und Praktikant*innen vollbesetzten Essenstisch – einem LebensLernOrt im besten Sinne- viele Entwicklungen angestoßen.

Ein großes Anliegen war ihr, dass die gute Milch der 80 Kühe nicht in einer normalen Molkerei verschwand. Hauswirtschaftslehrlinge und Interessierte sollten die Veredelung und Weiterverarbeitung von Milch zu wertvollen Lebensmitteln kennen lernen und damit landwirtschaftliche Betriebe finanziell sichern können. So hat sie –zunächst im Kleinen und gegen den Widerstand der Landwirte- die Herstellung von Käse versucht. Unbeirrt ließ sie sich in der Schweiz zur Sennerin ausbilden, und initiierte am Neubau des Stalles eine Käserei im Stil einer Alpsennerei –die erste Hofkäserei in Deutschland.

Bergkäse, Joghurt, Quark und später Gouda und Camembert wurden entwickelt- mit der geringen Erfahrung, die es damals auf Höfen gab, ein Abenteuer mit hohem Schmelzkäseertrag. Das bekannte „Möhrenlaibchen“ ist ihre Erfindung. Nach den ersten Käsekursen gründete sie mit „Neu -Käser*innen“ die „IG Rohmilch“, aus der der „Verband für handwerkliche Milchverarbeitung“ hervor ging, der heute europaweit Aus- und Weiterbildungen und Spezialkurse (Eis, Verkaufen, Events, Käsespezialitäten…) zur Milchverarbeitung anbietet. So hat sie, direkt und indirekt, durch ihre Kurse vielen Betrieben  Anstoß und Beispiel für einen tragenden Betriebszweig auf ökologischen, aber auch konventionellen Höfen, gegeben.

Noch in den 60iger Jahren hat sie die schon vorhandene Hühnerhaltung aufgegriffen. Diese wurde in eine Freilaufhaltung mit Wechselausläufen entwickelt. Während vieler Jahre hat sie viele junge Menschen( 47!) in ländlicher Hauswirtschaft ausgebildet. Dabei konnte sie vielen eine gute und fundierte Ausbildung mitgeben. Stets hat sie dabei  ein gründliches Verständnis für die Belange einer zukunftsfähigen-biologisch-dynamischen-Landwirtschaft vermittelt.

So wichtig wie die gründliche berufliche Ausbildung war es für Ebba Bauer, sich selber in langen Nächten nach den prall gefüllten Arbeitstagen im Verständnis der Anthroposophie zu bilden, und dieses Wissen mit den jungen Menschen zu teilen,  um gemeinsam an Idealen zu arbeiten.

Mit ihrem unbedingten Einsatz für die gute Sache war sie allen ein Vorbild, sich selbst gegenüber oft recht rücksichtslos.

Das Brotbacken im Holzbackofen hatte auf dem Hof schon Tradition. Nachdem für die Milchverarbeitung ein verantwortlicher Mitarbeiter gefunden war, entwickelte sie das Backhaus in eine vielseitige Bäckerei. Wie nebenbei machte sie die Ausbildung zur Bäckermeisterin. Auch in diesem Beruf  hat sie zahlreiche junge Menschen fachlich ausgebildet und mit ihrem tiefen Wissen die Bäcker*innen und Konditor*innen beflügelt, stolz ihr Handwerk auszuüben und wiederum auszubilden. Käse, Brot und  Backwaren des Dottenfelder Hof sind begehrte Nahrungsmittel in der Region. Diese Produkte waren und sind die Zugpferde der Dottenfelder Direktvermarktung und wichtiges finanzielles Standbein.

Neben diesen fachlichen Qualifikationen ist Ebba stets eine inspirierende Gesprächstpertnerin, die -„Willste ne Zigi?“ - sich immer Zeit für tiefgreifende Gespräche bei einer Zigarette nimmt. 

Ihr Ideal einer zukünftigen Landwirtschaft, die Natur, Landbau, menschliche und gesellschaftliche Entwicklung fördert, hat viele Menschen in ihrer Lebensgestaltung angeregt und sie Höfe gründen, tragen und entwickeln lassen.

Sie hat gezeigt, was alles möglich ist, was man leisten kann, wenn man befeuert ist von Ideen, die  einem großen Ideal entspringen.

Neben dem Alltag sind die Feste prägend für das Leben auf dem Hof. Feste zu gestalten ist Ebbas große Leidenschaft, prall voll gelebter Tradition und üppiger Fülle an Essen, Musik und Unterhaltung. Üppig ist auch ihre Gestaltung der Hofanlagen – überall schafft sie mit fundiertem Blick für gärtnerische Schönheit das Bild des Hofes – z.B. mit den Rosen, die das Gesicht des Dottenfelderhofs prägen.

Viele ihrer Ideen hat sie gegen starken (Männer- ) Widerstand realisiert – mit Wissen, Charme und untrüglichem Gespür für notwendige Neuerungen hat sie diesen meist überwunden. Dieser Widerstand hat sie zu einem tiefen Einsteigen in das Thema des Männlichen und Weiblichen bewegt – Wissen, dass uns jüngere Frauen auf dem Hof und die Frauen auf der internationalen Bäuerinnen Tagung gestärkt und angeregt hat.

Nach ihrer aktiven Zeit am Hof, schon weit im Rentenalter, hat sie in Leipzig den Aufbau des Hofgut Kreuma unterstützt.

Ebba Bauer hat durch ihr unermüdliches Wirken den Dottenfelderhof als Pionierhof für die ökologische Landwirtschaft entscheidend mit aufgebaut und hat  nicht nur die vielen jungen Menschen, die sie ausgebildet hat, geprägt, sondern große wichtige gesellschaftliche Impulse gesetzt.

Sie hat wichtige Impulse in der ökologischen Bewegung gesetzt, die ohne Menschen wie sie sich nicht so hätte entwickeln können – Ebba Bauer, eine Pionierin des ökologischen Landbaus in Deutschland!