Impulse mit Intention – Modul „Biologisch-dynamischer Weinbau“ startet
Ein Morgen im Mai, 9:00 Uhr im Innenhof des Dottenfelderhofes: Die Frühlingsstimmung ist überall zu spüren, es duftet nach frisch gekochtem Kaffee, und zehn Studierende des Studiengangs Weinbau und Oenologie der Hochschule Geisenheim treffen sich am Steintisch zu einem gemeinsamen Tag auf dem „Dotti“. Dieses Bild war in den vergangenen Jahren schon häufiger zu sehen. Doch in diesem Jahr geschieht dies im Rahmen des neu entwickelten Moduls „Biologisch-dynamischer Weinbau“, das Bewährtes fortführt und zugleich das Format um weitere Inhalte und Impulse für die Studierenden erweitert.
Das Modul umfasst drei Exkursionen zum Dottenfelderhof, in denen die Themen Hoforganismus, das Tier und Düngung behandelt werden. Ergänzt wird es durch vertiefende Einheiten in Geisenheim sowie eine weitere Exkursion zu einem Weinbaubetrieb.
Nach dem Kaffee führt Martin von Mackensen durch den Tag. Die begleitenden Dozierenden Mathias Scheidweiler und Georg Meissner aus Geisenheim sind ebenfalls dabei und setzen Impulse, wenn es um weinbauspezifische Fragestellungen geht. Zu Beginn werden sogenannte „Epochenhefte“ ausgeteilt – mit der Aufforderung: Schreibt euch euer eigenes Skript! Weg von PowerPoint und Download, hin zu Verinnerlichen, Begreifen und Erfahren. So landet dann auch mal die Gründüngung oder ein Knöllchen der Winterwicke zwischen den Seiten. Ergänzt durch Tafelzeichnungen soll ein Bild entstehen, das später wieder hervorgeholt werden kann, um es in die praktische Anwendung zu bringen.
Wir stapfen auf die Weide. Da stehen sie: die Kühe, über die so viel gesprochen wird. Wir tauchen ein in die Herde und in das Wesen dieses Tieres. Vielleicht ist diese Welt für die angehenden Winzerinnen und Winzer zunächst fremd – oder gerade deshalb entwickeln sie eine besondere Sensibilität für die qualitativen Unterschiede, die ein solches Wesen für seine Umgebung mit sich bringt. Dies ist nur ein Moment von vielen Eindrücken, die der Dottenfelder Hof vermittelt.
Mit vielen neuen Eindrücken und Impulsen geht es in die Nachbesprechung der drei Tage – und mit dem Wunsch, im Weingut Schönhals ins praktische Tun zu kommen. Ziel ist es, ein Betriebsentwicklungsgespräch zu führen. Mit den Bildern und Kenntnissen aus den vorherigen Veranstaltungen durch den Betrieb zu gehen, den Betriebsleitenden zuzuhören und aus verschiedenen Blickwinkeln Entwicklungsperspektiven zu erarbeiten. Auch für die Dozierenden ist dies ein neuer Versuch. Mit Unterstützung von Hanneke und Christoph Schönhals kommen wir gemeinsam in diesen Prozess. Dieser wird stellenweise fast intim – bis hinein in die sozialen Themen eines solchen Betriebs. Dafür gilt ihnen ein besonderer Dank.
Am letzten Termin geht es dann in die Reflexion: Epochenhefte heraus und schauen, was sich darin inzwischen gesammelt hat. Begleitet von weiteren Impulsen von Georg Meissner moderiert Mathias Scheidweiler diese Abschlussrunde. Die „Prüfung“ wird dabei zu einem gemeinsamen Prozess, in dem das Erlernte hervorgeholt, diskutiert und verinnerlicht wird.
Das Feedback der Studierenden ist sehr persönlich, und in der Gruppe hat sich eine spürbare Verbundenheit entwickelt. Diese mündet schließlich in einer Chatgruppe mit dem Namen „Impulse mit Intention“. Sie zeigt, dass dies nur ein Teil eines weiteren Entwicklungswegs war – und dass die Studierenden auch nach Abschluss ihres Studiums gemeinsam daran weiterarbeiten möchten.
Wir freuen uns schon auf die nächste Runde im Sommersemester 2026 – mit viel Bewährtem und bestimmt auch mit etwas Neuem.
Mathias Scheidweiler, Georg Meissner, Martin von Mackensen


